Die Königin

(2020)

Eine einzige Pille am Tag und du fühlst dich gut, fit und gesund. Doch das ist alles nur eine Täuschung. Denn ab jetzt machst du nur noch das, was ich dir sage …

Alles begann damit, dass das Leben eines Kollegen, eines Freundes, bedroht war. Oliver Klatz stand auf der Abschussliste eines Berliner Clans, doch die Hilfe der eigenen Kollegen lehnte er ab. Etliche von denen schienen nicht nur korrupt zu sein, er hatte Beweise, dass es mindestens einen Maulwurf in ihren Reihen gibt. Deshalb hoffte er auf die Unterstützung des erfolgrei-chen Teams von Europol. Doch eine klassische, verdeckte Ermittlung konnten auch sie nicht leis-ten. Dazu fehlte ihnen schlicht und ergreifend die Zeit, ganz zu schweigen davon, dass es kein offizielles Ersuchen gab. Aber sie befanden, es war einen Versuch wert …

Anstatt sich jedoch in die Strukturen des Clans einzuschleusen, bewarben sie sich ganz offiziell bei den Firmen, die unter dem Verdacht standen, mit dem Clan zu kooperieren. Diese Firmen waren im `Paradise-House´ ansässig, dem eigentlichen Sitz des Familien-Unternehmens.

So wurde aus der Forensikerin Sarah eine hippe Frau in der Diskothek, die in ihrer Freizeit die dort angebotenen Drogen analysierte. Marie, die Datenanalystin, verwandelte sich in eine mit allen Wassern gewaschene Anwältin, die dadurch Zugriff auf die Mandantenliste erhielt. Das Computergenie Tom mutierte zu einem angesagten DJ und versuchte so, sich den Zugang zum internen Netzwerk zu beschaffen. Ben, ein erfahrener Soldat und Polizist, gründete extra dafür eine Sicherheitsfirma, die mit ehemaligen Kollegen so schlagkräftig war, dass sie kurzerhand das `Paradise-House´ unter ihre Kontrolle bringen konnten. Paul, der im richtigen Leben promovierter Psychologe ist und im Team als Profiler sein Geld verdient, hatte den leichtesten Job. Er spielte sich selbst, einen versnobten Industriellensohn, der seine Praxis wegen Reichtums geschlossen hatte und nun auf der Suche nach einer exklusiven Villa in Berlin war.

Ihr erklärtes Ziel war der Club, ein elitäres Etablissement im obersten Stock des `Paradise-House´. Sie vermuteten zu Recht, dass dort die eigentlichen Geschäfte abgewickelt wurden, dass da die Schmiergelder flossen. Aber sie standen vor einem Problem, denn in diesen Club kam man nur als Mitglied oder geladener Gast hinein. Die fünf Undercover-Ermittler erledigten ihren Job zwar so gut, dass die Clan-Chefs von ihnen begeistert waren, doch auf eine Einladung in den Club warteten sie vergebens. Die Zeit für Plan B schien gekommen … Jenny Hansen, die Chefin der Truppe, blieb bei diesem Auftrag bewusst im Hintergrund, sie sicherte mit Kollegen den Einsatz. Von Anfang an sträubte sie sich, selbst verdeckt in Aktion zu treten. Doch das war gestern, nun musste auch sie ran. Geschickt sorgte man dafür, dass sie einen Aushilfsjob in der hauseigenen Band bekam. Die eigentliche Sängerin wurde in einen Unfall verwickelt, sodass sie mindestens zwei Wochen nicht auf der Bühne stehen konnte.

Bereits an ihrem ersten Abend wurde Jenny Zeuge eines Mordes …

Leseprobe:
Oliver saß relativ sicher in seinem Versteck. Doch zwischenzeitlich hatte er das Gefühl, er wäre gefangen wie auf einem Präsentierteller. Aber er musste nur noch diese eine Nacht überstehen. Morgen würde die Anzeige erscheinen. Er hatte keine Ahnung, wo Jenny und ihr Team sich gerade aufhielten, welche Ermittlungen sie gerade führten. Er hoffte nur, dass sie sich loseisen konnten. Loseisen wollten, dass sie seinen Hilferuf ernst nahmen und ihn retten würden.

Er schüttelte den Kopf wegen seiner Zweifel. Sie würden ihn retten! Günstigstenfalls wären sie am frühen Abend da, rechnete er durch, wenn nicht, hätte er wohl kaum noch eine Chance. Oliver war hundemüde, er traute sich jedoch nicht, einzuschlafen. Er wusste, dass Wilfrieds Bungalow ein gutes Versteck war, dennoch war es nicht absolut sicher. Sie könnten es herausbekommen. Aber wenn Jenny und ihr Team ihn finden sollten, musste er dieses Risiko eingehen. Er hatte sich eine neue Kanne Kaffee gekocht. Jede Handlung vollführte er absolut geräuschlos. Sie konnten schon da draußen sein, er musste auf jedes noch so kleine Geräusch achten. Die Bilder gingen nicht mehr aus seinem Kopf. Er sah ständig, wie sie Ricci hingerichtet hatten. Der hatte ihn weggeschickt, er sollte sich erst noch versteckt halten. Als ob er eine Ahnung gehabt hätte …

Bereits um fünf bezogen die sechs Scharfschützen ihre jeweilige Position. Sie hatten ein Codewort vereinbart und wenn Ben es sagte, hieß das für die Sniper, die Gegner auszuschalten. Dann war seine Lage ausweglos und ob seine Tarnung anschließend überhaupt noch funktionieren würde, musste geklärt werden. Jenny und André hatten sich die Positionen herausgepickt, die am dichtesten am Geschehen lagen. Ein Technikteam, welches als Bautrupp verkleidet auf der Baustelle hantierte, hatte zusätzliche Kameras und Mikrofone angebracht. Die Übertragung stand perfekt … Gegen halb sechs kam Bewegung in die Baustelle. Die Arbeiter begannen bereits, die Werkzeuge zu säubern und zu verstauen. Die eine oder andere Bierflasche hörte man klicken. „Mann ey, das ist echt fies. Bei dieser Bullenhitze hier mitten auf dem Dach zu liegen und die da unten zischen ein eiskaltes Bier, ich hätte besser aufpassen sollen in der Schule“, sagte einer von Bens Scharfschützen. „Sehe ich genauso. Ich habe gerade einen Verschluss im Visier. Schade, dass ich nicht abdrücken darf. Der erschreckte Aufschrei wäre sicher amüsant“, antwortete einer der SEK-Leute. Jenny beobachtete gespannt die Lage, doch ihre Augen waren auch permanent auf das gesamte Umfeld gerichtet. Ab und zu warf sie ein Auge auf André, der fokussiert seinen Bereich mit der Zieleinrichtung der Waffe kontrollierte. Jetzt schaute er Jenny mit einem fragenden Blick an. Er zeigte mit dem Kinn in Richtung der Sniper, die gerade ein wenig plauderten. Aber Jenny schüttelte den Kopf. Das waren Profis, die innerhalb eines Sekundenbruchteils umschalten konnten. Sie ging jede Wette ein, dass die, trotz der banalen Gespräche, ihr Umfeld im Blick hatten. „Achtung, zwei Fahrzeuge nähern sich der Baustelle“, hörten sie Tom aus ihren Ohrstöpseln.

„Wie fahren wir, welche Instruktionen habt ihr für uns?“, fragte Steve. Für ihn und Ben waren deren Bedenken vom Tisch. „Wir fahren vor, ihr folgt uns“, meinte Maksim. Ben und Steve nickten kurz. „Wie ist das im Ausland? Dürft ihr da auch Waffen tragen?“, ließ der Schleimbolzen nicht locker. „Ich meine ja nur“, sagte er und zeigte auf die Beschriftung des Transporters. Da prangte groß `Security´ drauf. „Kommt auf das Land an, für einige haben wir die Berechtigung.“ „Was ist mit Tschechien?“, fragte sofort Goldkettchen Marijan. „Kein Problem“, meinte Ben. „Sicher?“, hakte Maksim nach, war aber zufrieden, als er sah, dass Ben und Steve nickten. „Dann los, Abfahrt“, sagte der lange Maksim und stieg in den Fond des Mercedes. Das Goldkettchen fuhr und Milan saß daneben. Ben und Steve sollten folgen. Ihre Handys mussten sie vorher abgeben, die Kommunikation untereinander erfolgte durch Walkie-Talkies, die sehr modern aussahen …

Es war das erste Mal, dass Ben auf Maksims Gesicht so etwas wie ein Grinsen sah. Aber er bezweifelte, dass er ihnen auch wirklich vertrauen würde. „Was macht ihr mit der Leiche?“, wollte er wissen. „Besser, du weißt nichts davon. Aber sie wird restlos verschwunden sein, für immer“, sagte Ben. „Gut“, meinte Maksim, „dann ist ja alles in Ordnung.“ Er schaute seinen Bruder an und gemeinsam verließen sie grußlos die Wohnung. Das ging viel zu schnell. Er hätte sich nie mit so einer lapidaren Antwort abspeisen lassen. Ben schaute Steve an und der nickte. Dann machte er das Handzeichen für Achtung. Ben wusste, was er meinte: Das war noch lange nicht alles, da kam noch was …




Über die Autorin

Senta Meyer

Senta Meyer wurde in Halle an der Saale geboren.

Sie war schon als kleines Kind sportlich aktiv, trainierte Turnen und Wasserspringen und ging dann ab der 5. Klasse auf die dortige Sportschule.

Nach dem Abitur und einem praktischen Pflichtjahr studierte sie in Berlin Medizin. Doch bereits gegen Ende des 2. Jahres verwehrte man ihr die Fortsetzung, ohne dass sie die Gründe dafür erfuhr. Sie wurde in ihrer neuen Wahlheimat Trainerin und machte sich nach der Wende selbstständig. Erst vor wenigen Jahren erfuhr sie die wahren Hintergründe, die dazu führten, dass ihr Studium so abrupt endete und ihrem Leben eine andere Richtung aufdiktierte.

Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann und zwei lieben, verrückten Hunden in Mecklenburg/ Vorpommern.