Der Marionetten­spieler

(2020 - überarbeitete Auflage)

Du dachtest, es wäre dein Kind. Du wurdest belogen – und jetzt ist es weg.

Das Team bekam den Auftrag, nach Berlin zu fliegen und dort die Kollegen zu unterstützen, die neun Kindesentführungen aufzuklären hatten. Doch die Berliner waren alles andere als erfreut und das nicht nur, weil sie überhaupt nichts davon wussten. Wen hatte man ihnen da geschickt? Wenn Arroganz einen Namen hatte, dann Jenny. Sie war die Chefin der Truppe. Doch bereits nach wenigen Minuten stand auch ein Begriff für das ganze Team fest: Die Bekloppten.

Sie verwandelten ihren Konferenzraum in ein Hightech-Labor und wussten komplett alles über sie, inklusive ihrer geheimen Liebesbeziehungen. Und kaum, dass sie einen Fuß in den Räumen hatten, falteten sie ihren Chef und einen Kollegen zusammen. Sie forderten Kaffee und rauchten Kette … Doch die Berliner Polizisten waren auch verblüfft, wie effizient und umfassend die Truppe arbeitete. Trotzdem verloren sie scheinbar nie ihren Humor und konterten meistens mit einem frechen Spruch. Jenny hatte die Aufgaben verteilt und dabei das Team vermischt. Jetzt konnte man sich sogar besser kennenlernen. Doch die Entführungen gingen weiter, erst in Deutschland, dann in ganz Europa. Mittlerweile hatten sie eine Spur, eine ganz winzige, die obendrein dazu noch unvorstellbar war. Der folgten sie verbissen, da sie sonst auch nichts in den Händen hatten …

Letztendlich fanden sie die Drahtzieher in einer alten Bunkeranlage und mit ihnen die verschwundenen Kinder. Gerade noch rechtzeitig, denn sie standen kurz davor, den Traum ihrer Neuen Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Einer Welt, die von genmanipulierten Kindern geführt und von alten Herren mit noch älteren Ideen beherrscht werden würde. Am Ende trennten sich die Berliner Kollegen von Jenny und ihrem Team als Freunde, obwohl sie bereits ahnten, dass sie sich nie mehr wiedersehen würden. Doch es sollte anders kommen …

Leseprobe:
Ich sehe keinen Zusammenhang. Wir haben sowohl Jungs als auch Mädels, von sieben bis vierzehn Jahren. Alle aus unterschiedlichen Bezirken und Schulen, auch aus verschiedenen sozialen Schichten. Soweit wir bis jetzt wissen, kennen die Kinder sich nicht, ebenso ist es bei den Eltern. Es gibt keine Forderungen von Kidnappern. Keine Bekennerschreiben, nichts in der Richtung. Und wir haben nicht den kleinsten Hinweis einer Spur. Es ist gerade so, als hätten die Kinder ab dem entsprechenden Zeitpunkt aufgehört zu existieren. Also, wie bitte hängt das zusammen? Wo ist das Muster?“ Sie warf einen kurzen Blick zu Paul. Aber der hob nur die Schultern, genau wie Marie und Tom, die ebenfalls nichts gefunden hatten. „Alle Fälle müssen zusammenhängen. Ein Kind verschwindet schon mal oder wird entführt. Das passiert. Ist nicht so häufig, aber auch nicht außergewöhnlich. Okay. Zwei zur gleichen Zeit? Das kam bis jetzt nur ein einziges Mal in Deutschland vor. Aber jetzt gleich neun Kinder auf einmal? An Zufälle dieser Art glaube ich nicht. Also, wo ist, bitte schön, die Verbindung?“, fragte Jenny in den Raum, während sie weiter die große Bildschirmwand anstarrte …

Veronika reagierte nicht, deshalb nickte Jenny Tom zu. Alle hörten jetzt ein Freizeichen über die Lautsprecher. „Das Handy von Hans?“, fragte Veronika. Jenny nickte nur. Es klingelte. Keiner hob ab. „Wo ist er jetzt um diese Zeit?“ Jenny ließ Veronika nicht aus den Augen. „Bei seiner Oma. Die passt immer auf ihn auf.“ „Alles in Ordnung, Veronika. Wir rufen jetzt die Oma an. Tom, bitte.“ Und wieder hörten sie ein Freizeichen. Nach achtmal klingeln sprang der Anrufbeantworter an. Tom legte auf. Die Stimmung im Raum hatte sich mit einem Mal verändert. Alle Gesichter schauten angespannt, auch wenn die meisten von ihnen nicht recht wussten, warum. Sie fragten sich, weshalb Jenny unbedingt Hans am Telefon haben wollte. Die schaute zu Tom. „Probiere es noch einmal. Bei beiden.“ Der nickte. Als Erstes wählte er das Handy des Jungen. Jetzt war es aus. Eine automatische Stimme informierte sie darüber, dass sie es später noch einmal versuchen sollten. Tom beendete das Gespräch und wählte die Nummer der Oma. Es klingelte. Einmal, zweimal, dreimal, viermal. Dann war da plötzlich die Stimme von Veronikas Mutter. Alle atmeten hörbar und erleichtert aus. Nur Jenny nicht. Sie stellte sich vor und erkundigte sich nach Hans. Alle konnten hören, wie die Oma erzählte, dass Hans draußen mit den anderen Jungs Fußball spielt. So wie immer, wenn er fertig sei mit seinen Hausaufgaben. Sie wollte ihn holen. Die Minuten vergingen. Bange Minuten. Obwohl noch keiner einen Zusammenhang sah, spürten sie doch instinktiv, dass jetzt etwas passieren würde. Sie saßen im Konferenzraum am großen Tisch und lauschten. Sie warteten auf die Stimme der Oma, auf Worte von Hans. Nach gefühlten Stunden kam die Oma zurück ans Telefon. Sie sagte kein Wort. Sie schluchzte. Hans war nicht mehr da …

Team Bravo hatte bereits nach wenigen Minuten einen Eingang in einen unterirdischen Bunker entdeckt. Vorsichtig umkreisten sie ihn und kontrollierten, ob feindliche Elemente zu dessen Bewachung abgestellt waren. Als sie weder Aktivitäten in der Wärmebildkamera sahen noch einem Angriff ausgesetzt waren, gingen sie runter. Als nach wenigen Minuten das SEK zur Stelle war und übernahm, setzten die Flüsterer ihren Überflug fort. Sie wollten sicher gehen, dass nicht weitere Eingänge auf diesem großen Gelände waren. Die SEK-ler öffneten die von außen verbarrikadierte Tür. Der Logik nach konnte also niemand in dem Bunker sein. Aber was war an diesem Fall logisch? Die Anlage war, bautechnisch gesehen, in einem sehr guten Zustand. Ein breiter Gang, in dem drei Lkw ohne Probleme hätten nebeneinander fahren können, schien unendlich in seiner Länge zu sein. Rechts und links befanden sich Räume, die früher wahrscheinlich für die Unterbringung oder Versorgung genutzt wurden. Aber bis auf eine einzige, winzig kleine Maus war dieser Bunker leer. Ein Technikteam nutze die Gelegenheit und kartografierte die Anlage, während das SEK bereits draußen wieder auf neue Anweisungen wartete."




Über die Autorin

Senta Meyer

Senta Meyer wurde in Halle an der Saale geboren.

Sie war schon als kleines Kind sportlich aktiv, trainierte Turnen und Wasserspringen und ging dann ab der 5. Klasse auf die dortige Sportschule.

Nach dem Abitur und einem praktischen Pflichtjahr studierte sie in Berlin Medizin. Doch bereits gegen Ende des 2. Jahres verwehrte man ihr die Fortsetzung, ohne dass sie die Gründe dafür erfuhr. Sie wurde in ihrer neuen Wahlheimat Trainerin und machte sich nach der Wende selbstständig. Erst vor wenigen Jahren erfuhr sie die wahren Hintergründe, die dazu führten, dass ihr Studium so abrupt endete und ihrem Leben eine andere Richtung aufdiktierte.

Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann und zwei lieben, verrückten Hunden in Mecklenburg/ Vorpommern.